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Laufguide für blinde und sehbehinderte Menschen

Am 25.6. nahm Dirk Stoll in Marburg an einer von der dortigen BLISTA, dem „Bundesweiten Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung“, Fortbildung teil. Dabei wurden durch den Rehabilitationslehrer und Optiker Christian Gerhold Kenntnisse über verschiedene Stufen von Sehbehinderung und Blindheit vermittelt, bevor die Teilnehmer zunächst allgemeine Techniken der Führung von Sehbehinderten und Blinden ausprobieren konnten; dabei wurden mit Masken bzw. Brillen mit entsprechenden Gläsern verschiedene Beeinträchtigungen simuliert wie etwa eine extreme Visus-Verschlechterung oder Retinitis Pigmentosa, der sogenannte „Tunnelblick“.

Danach führte die Motologin der BLISTA, Sophie Gaul-Rafflenbeul, in die Thematik „Sehbehinderung und Sport“ unter der besonderen Fokussierung auf den Ausdauersport und dabei auf das Laufen ein. Dabei wurden besondere Problematiken ebenso angesprochen wie auch Hilfsmittel zum Führen vorgestellt. Dies durften die Teilnehmer danach auch auf dem Universitäts-Sportplatz der Philipps-Universität ausprobieren.

Zunächst gab es da die Möglichkeit, das Ziel durch akustische Signale anzuzeigen, indem der Guide am Ende einer Strecke steht und durch wiederholten „Hier, hier, hier“ dem Eingeschränkten zu sich zu lenken. Dies bietet sich etwa für Sprintübungen an.

Schwieriger war das akustische Führen von hinten, bei dem der Guide dem eigentlichen Läufer folgt und diesem mit Kommandos wie „Rechts“ und „Links“ auf der Spur hält, wobei man zusätzlich auch weitere Beschreibungen wie Streckenverlauf, die Bodenbeschaffenheit und eventuelle Hindernisse sinnvoll sind. Dies ist allerdings auch nur auf kürzeren Strecken sinnvoll, weil es vergleichsweise viel verbale Kommunikation bedeutet.

Leichter fiel dann wieder das Führen mit Hilfsmitteln wie einem Band oder einer Schnur. Hier werden Kurven durch entsprechende Armbewegungen vermittelt. Auch die Führung durch direkten Armkontakt ist möglich. Außerdem besteht die Möglichkeit, daß der Sehbehinderte mit einer Hand den Guide berührt, während dieser letztlich in seinen Bewegungen weniger eingeschränkt ist, da er beide Hände frei hat; allerdings empfanden die Teilnehmenden dies wieder für den Eingeschränkten als anstrengender, weil der Haltearm sehr statisch gehalten werden muß.

In einem weiteren Lauf führten sich die Teilnehmer gegenseitig über eine (innerstädtische) Strecke mit verschiedenen Hindernissen wie Bordsteinkanten, Treppen, Ampeln usw. Hier war es besonders wichtig, den Beeinträchtigten auch auf entgegenkommende Fußgänger oder Fahrräder aufmerksam zu machen, ganz besonders aber auch auf Hunde, um ein Erschrecken durch etwaiges plötzliches Gebell durch einen Hund zu vermeiden, weil sich dieser vielleicht auch nur durch das ungewohnte Bild eines Läuferpaars selbst erschreckt.

In einem abschließenden Waldlauf standen dann tatsächliche Seheingeschränkte bereit, das Erlernte anzuwenden, unter anderem Blindenfußball-Nationalspieler und Europameister Taime Kuttig. Dies stellte bei den wechselnden Untergründen von Schotter-Waldstraße, Naturweg, Asphalt, ausgewaschenen Wegen, aber auch einer Feldstein-Pflasterstein-Strecke und natürlich auch mit An- und Abstiegen nochmals eine gesteigerte Anforderung an die neuen Blinden-Guides und damit auch einen würdigen Abschluß der Fortbildung dar.

Im Nachhinein herrschte von allen Teilnehmenden – sowohl der Fortgebildeten wie auch der Ausbildenden – Einigkeit, daß dies nicht die letzte Veranstaltung in diesem Konzept bleiben solle. Interessierte wenden sich an pfarrer@kassel-marathon.de.