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48. Studienkurs des Arbeitskreises Kirche und Sport der EKD

Sils Maria (medio). Die Frage nach der (Selbst-) Optimierung ist längst zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema geworden. Viele Menschen stählen ihre Muskeln, fordern die Organe und joggen ihr Gehirn. Die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit kontrollieren sie systematisch über Apps. Doch wie weit dürfen Maßnahmen zur (Selbst-)Optimierung gehen? Wer legt Grenzen fest? Was heißt in diesem Zusammenhang „Selbstbestimmung“? Diese und weitere Themen diskutierten Experten und Expertinnen mit Verantwortlichen aus Kirche und Sport beim 49. Studienkurs des Arbeitskreises Kirche und Sport der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Sils/Maria in der Schweiz.

Drei Fragen an…

… Bischof Prof. Dr. Martin Hein zum Thema „Selbstoptimierung“. Die Fragen stellte Pfarrer Johannes Meier.

Frage: Herr Bischof Hein, was heißt für Sie Selbstoptimierung und wo streben Sie nach Optimierung?

Bischof Prof. Dr. Martin Hein:

Selbstoptimierung, das klingt natürlich zunächst einmal sehr kritisch, aber jedes Training, jede Übungsstunde, dient dazu sich zu verbessern. Ich habe früher Klavierunterricht genommen und natürlich war der Sinn des Übens zu Hause, das man hinterher besser spielen konnte als vorher.

Für Sport ist das genau dasselbe, Training dient zunächst einmal der Optimierung der jeweiligen Leistung und ist von daher auch nicht fragwürdig, sondern wir alle bemühen uns natürlich ein Stück weit besser zu werden als wir es sind, wenn wir den Eindruck haben, das liegt in unseren Fähigkeiten und in unseren Möglichkeiten.

 

Frage:

Sie sagten es bereits: Optimierung im Sport und Leistungsstreben sind ganz normal. Nun werden hier auch die negativen Auswirkungen der Selbstoptimierung diskutiert. Was sehen Sie kritisch und wann läuft etwas für Sie falsch?

 

Bischof Hein:

Der Punkt ist ja, dass  Selbstoptimierung in zwischen zum Livestyle gehört. Man ist also mit dem, was man hat und was man kann, eigentlich gar nicht mehr zufrieden. Und so verändert man sein Aussehen, verstärkt seine Leistungsfähigkeit und begibt sich ständig in eine Art Hamsterrad, sich zu verbessern, mit anderen zu vergleichen und ist dadurch im Grunde ganz auf sich selbst bezogen. Die Selbstoptimierung kann dann, so glaube ich wenigstens, auch negative Folgen für das Leben in meiner Gemeinschaft haben.

Wenn ich nur noch an mich denke und meine Verbesserung, die Verbesserung meines Körpers, die Verbesserung meiner Leistungen, die Verbesserung überhaupt all dessen, was ich denken kann, dann halte ich das für gefährlich. Gerade auch, wenn ich weitgehende Eingriffe zulasse, wie z. B. das Doping, das gerade im Breitensport um sich greift.

Ich habe aber prinzipielle nichts gegen die Verbesserung einer Leistung. Das gehört zur Erziehung, das gehört zur Bildung, das gehört auch zum Training im Sport.

 

Frage:

Bei dieser Tagung kommen ganz unterschiedliche Referenten zusammen um sich gegenseitig zuzuhören. Was hat Sie besonders berührt oder beschäftigt? Was nehmen Sie von der Tagung mit?

 

Bischof Hein:

Besonders bewegend war für mich der Einblick in das Zwangssystem der DDR und den flächendeckenden Gebrauch des Dopings, der staatlich verordnet war, um damit die Überlegenheit der sozialistischen Menschen zu demonstrieren. Die Folgen diese Eingriffe für viele Menschen sind mir nochmal sehr anschaulich vor Augen geführt worden. Es zeigt aber auch, dass wir selbst sehr aufmerksam im Umgang mit den Möglichkeiten der Verbesserung unserer Leistungen sein sollten.

Spannend war für mich auch zu erleben, wie Wissenschaftler inzwischen erkennen, wie stark sich etwa Bewegung  auf unser Wohlbefinden auswirkt, ganz besonders in einem Zeitalter, in dem wir fast nur noch sitzen. Aber dass Bewegung sozusagen Fähigkeiten freisetzt, habe ich mir in dieser Weise noch gar nicht so bewusst vor Augen geführt. Ich glaube, dass das mein Leben noch einmal neu bestimmen wird: Also raus aus dem Sessel und den Körper mal zwischendurch auf eine andere Weise erfahren, als dass er nur schmerzt und auf einmal wieder frei im Nachdenken, im Sprechen und auch im Fühlen werden. Das ist etwas, was ich hier gelernt habe.